Catherine (Buchlingreport) 2


Patientin: Catherine alias Britta (Buchlingreport)
Erstdiagnose: Verdacht auf LESEN
Symptome: übermäßiger Konsum von Romanen aller Art, vorzugsweise Belletristik, Klassiker und Krimis/Thriller
Aktenvermerk: PATIENTIN DOKUMENTIERT SUCHTVERHALTEN

Coming-out: Ich habe LESEN

Gedächtnisprotokoll der Behandlung:

Minutenlang sitzen sich Catherine und Lady Bookosa schweigend gegenüber. Schließlich hält es die Patientin nicht länger aus und ergreift das Wort:

Britta - Buchlingreport - Lesen

Catherine: Ich habe LESEN

Lady Bookosa nickt zufrieden.

1. Nun ist es raus, wie fühlst du dich?

Erleichtert! Die meisten haben es ja schon vermutet. Die Anzeichen waren immer deutlich. Aber nun kann ich es endlich in die Welt schreien: Ich habe Lesen!

2. Wann und wie hast du dich mit LESEN infiziert?

Infiziert habe ich mich schon früh. Meine Eltern, die scheinbar Überträger waren, haben mir und meinen Geschwistern als Kinder vor dem Schlafen schon immer vorgelesen. Märchen, Sagen und Fabeln gehörten zum Alltag dazu. Später folgten dann die klassischen Jugendbücher und – natürlich auch verschuldet durch meinen Namen – die Britta-Pferdebücher von Lisbeth Pahnke. Richtig ausgebrochen ist das Lesen dann aber mit ungefähr 15 Jahren. Von da an war ich immer mit Buch anzutreffen.

3. Wie geht dein persönliches Umfeld mit deiner Krankheit um und wer muss am meisten unter ihr leiden?

In meinem Umfeld werde ich oft belächelt, wenn ich meine buchschweren Handtaschen durch die Gegend trage. Oder verwirrt angeguckt, bei qualifiziert eingestreuten Buchzitaten. Am meisten leiden müssen wohl meine besten Freundinnen, denen ich immer von meinen neusten Bucherrungenschaften und Leseabenteuern berichte. Und auch meine Kolleginnen im Büro müssen sich das regelmäßig anhören.

4. Stehst du viel in Kontakt mit anderen Infizierten und nutzt Selbsthilfegruppen im Internet?

In meinem Umfeld gibt es in der Tat ein paar Freundinnen, die ebenfalls infiziert sind. Und zum Glück kann ich mich mit Madeleine, meiner Mitbloggerin und Miterkrankten, immer rege über das Lesen austauschen. So entstand ursprünglich auch die Idee zu unserem Blog. Wir wollten einen Weg finden, mit anderen unsere Leseleidenschaft zu teilen. Und zum Glück kann man sich in Zeiten des Internets ganz einfach mit Gleichgesinnten verständigen. Egal ob Twitter, Wasliestdu oder Goodreads – ich versuche regelmäßig auf allen Kanälen unterwegs zu sein, mich inspirieren zu lassen und neues zu Entdecken.

5. Warst du schon auf den als Buchmessen getarnten Infiziertentreffen in Frankfurt und Leipzig und wie hat es dir dort gefallen?

Ich war tatsächlich schon mal auf beiden Buchmessen, jeweils einmal. Es ist zwar schon ein paar Jahre her, aber ich kann mich erinnern, dass es mir in Frankfurt besser gefallen hat. Die Messe ist dort viel größer und – für mein Empfinden – nicht so Jugendbuch-lastig. Da gibt es für das erwachsene Leserherz viel mehr zum Stöbern und zum Entdecken!

Lady Bookosa unterbricht die Sitzung und wirft einen Blick in ihre Kristallkugel. Bei der Betrachtung der Zukunft kann sie sich ein Lächeln nicht verkneifen…

6. In deinem nächsten Leben wirst du in einem Roman wiedergeboren. Irgendwelche Wünsche?

Oha. Schwierig. Aber ich glaube, ich würde mich für irgendeine magische oder mystische Geschichte entscheiden, in der ich Zauberkräfte habe oder so etwas in der Art. Ein „normales“ Menschenleben führe ich ja grad schon. Deshalb würde ich gerne etwas Neues, Aufregendes ausprobieren wollen. Über einen Brief aus Hogwarts würde ich mich zum Beispiel freuen, wäre aber auch bereit für ganz andere Abenteuer.

7. Wir schreiben das Jahr 2163, die Welt liegt in Schutt und Asche. Die Menschheit wird nach dem Arche-Noah-Prinzip evakuiert. Welche zwei Autoren sollten gerettet werden?

Da viele meiner Lieblingsautoren schon nicht mehr am Leben sind – so ist das halt mit den Klassikern – schränkt das die Auswahl natürlich ein. Daher entscheide ich mich für G.R.R. Martin und Banana Yoshimoto. Denn egal in welchem Jahr wir leben: Die Welt muss einfach erfahren, wie Game of Thrones ausgeht! Und damit auch etwas fürs Herz mit dabei ist, wähle ich Banana Yoshimoto. Die in harten Zeiten mit ihrem zarten, flirrenden Schreibstil etwas Trost spenden und warme, aufbauende Worte finden kann. Ich glaube, das wäre ein guter Mix.

8. Unglaublich, aber wahr, auch DU wirst evakuiert. Du hast in der Bevölkerungs-Tombola zwei Tickets für die Reise zum Mars gewonnen. Wen nimmst du mit und vor allem wer darf am Fenster sitzen?

Juhuuu! Ich Glückspilz! Nur eine Begleitperson? Das ist natürlich schwierig. Ich würde gerne so viele liebe Menschen mitnehmen. Aber wenn ich wirklich nur eine wählen dürfte, würde ich wohl meinen Vater auswählen. Wichtigste Bezugsperson, guter Freund und außerdem praktisch veranlagt! Man weiß ja schließlich nicht, was einen auf so einem fremden Planeten alles erwartet. Und ich glaube, der Streit um den Fensterplatz würde dann auch wegfallen. Den überlässt mir mein Vater bestimmt gerne.

Aber das ist Zukunftsmusik. Lady Bookosa verdeckt die Kristallkugel und blickt die Patientin ernst an.

9. Wie müsste – Stand heute – der Titel deiner Biografie lauten und welcher Schauspieler wäre die Idealbesetzung für die Verfilmung des Buchs?

Hah, schwer zu sagen. Vielleicht würde ich eine vielgenutzte Phrase aus meinem Büroalltag nehmen: „Einmal mit Profis arbeiten – Abenteuer einer bibliophilen PR-Beraterin“. Ich glaube da würden einige spannende, witzige und verrückte Geschichten aufs Papier kommen. Gespielt würde das Ganze von René Zellweger – natürlich vor ihrer Gesichtsstraffung. Meine Kollegin ist fest davon überzeugt, dass wir uns irgendwie ähnlich sehen. Ich denke, das wäre eine gute Besetzung.

10. Die Welt weiß nun, dass du LESEN hast. Was sollte sie sonst noch über dich wissen?

Wenn ich nicht grade ein Buch in der Hand habe, bin ich die meiste Zeit am Singen und Trällern. Zuhause läuft fast immer Musik und einmal die Woche singe ich in einem Chor. Ansonsten bin ich als rasende Reporterin bzw. PR-Beraterin im Büro oder auf diversen Abendveranstaltungen in der Hauptstadt unterwegs bin, versuche ich viel Zeit mit meinen Freunden zu verbringen und ab und an bemühe ich mich auch zum Sport – wobei das definitiv noch ausbaufähig ist 🙂

Lady Bookosa bedankt sich für das Gespräch und bittet die Patientin zur weiteren Behandlung in einen Nebenraum. Als diese den Raum verlassen hat, schließt Lady Bookosa die Akte und donnert einen Stempel auf den Einband.

INFIZIERT – Heilung ausgeschlossen!

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2 Gedanken zu “Catherine (Buchlingreport)

  • Kati@ZeitZuLesen

    Hallo Catherine,

    Das ist wirklich ein super schöner, persönlicher Beitrag gewesen, hat mir sehr gut gefallen. Und das Du George Martin mitnimmst, finde ich ausgezeichnet, denn ich will auch unbedingt wissen, wie das Geschachere aus Westeros ausgeht 😉

    LG, Kati

    • Catherine

      Hey Kati,
      vielen Dank 🙂 – Gar nicht so einfach, diese kniffeligen Fragen zu beantworten. Aber es hat auf jeden Fall super viel Spaß gemacht und ich habe mich sehr gefreut, mit dabei sein zu dürfen.

      LG Cat

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