Ein bisschen wie Unendlichkeit | Harriet Reuter Hapgood


Leseviren in Ein bisschen wie Unendlichkeit von Harriet Reuter Hapgood entdeckt. Das Buch kann LESEN verursachen oder eine bestehende Influenza Bookosa verschlimmern!

Ein bisschen wie Unendlichkeit - Harriet Reuter Harpgood

Titel: Ein bisschen wie Unendlichkeit | Autor: Harriet Reuter Hapgood | Veröffentlichung: Februar 2017 | Übersetzung: Susanne Hornfeck | Verlag: Fischer | Ausgaben: Hardcover, eBook | Bücherregal: Jugendbuch | Stichwörter: Verlust, Familie, Liebe, Freundschaft, Zeitreisen

Inhalt

Als die Ferien anfangen, möchte Gottie eigentlich nur unter dem Apfelbaum liegen, in die Sterne schauen und über das Universum nachdenken. Sie kennt jede Theorie zu Raum und Zeit und kann alles mit einer Formel erklären.
Außer, warum ihr bester Freund Thomas, der vor einigen Jahren weg­gezogen war, plötzlich wieder auftaucht. Warum niemand ihre Verzweiflung über den Tod ihres Großvaters Grey versteht. Und warum sie in Flashbacks ganze Szenen ihres Lebens erneut durchlebt. Verliert sie den Verstand oder wird sie wirklich in die Vergangenheit versetzt? Und wie kann sie in der Gegenwart bleiben – bei Thomas, dessen Küsse ihr Universum verändern?

Ein großes, bewegendes Debüt über den Schmerz und die unendliche Schönheit des Lebens. (Quelle: Verlag)

Meinung

Ich muss zugeben, ich konnte meine Hände gar nicht schnell genug an dieses Buch bekommen, immerhin ist allein das Cover schon ein Hingucker ohnegleichen (ein Lob hier an die Gestalterin Frauke Schneider, muss auch mal gesagt sein!). Außerdem hat der Klappentext Einblicke in naturwissenschaftliche Themen versprochen, große Gefühle (Trauer und Liebe) und eine Story, die sich abhebt. Letzteres ist der Geschichte auf jeden Fall gelungen, allerdings nicht nur im positiven Sinne.

Fangen wir langsam an. Ich mag die Schreibe der Autorin. Sie wirkt auf mich unverbraucht, frisch und locker, also perfekt für ein Jugendbuch. Auch der Plot an sich hat vieles, das mich wirklich in den Bann ziehen konnte. Der Verlust des Familienoberhauptes, Großvater Grey, wühlt tief in den drei zurückgebliebenen Personen Gottie, ihrem Bruder Ned und deren Vater. Jeder geht anders damit um, und das entwickelt sich im Laufe der Geschichte zu einem großen Konflikt. Hat mir durchaus gefallen, wie die Wut, das Unverständnis und die Eigenarten der einzelnen Charaktere dargestellt wurden. Gottie sondert sich beispielsweise von ihren Freunden ab, während Ned den Großvater mit kleinen Gesten weiterleben lässt. Hätte man für meinen Geschmack sogar noch ausbauen können, aber so weit, so schick.

Dann der zweite Handlungsstrang, der sich um die Rückkehr von Gotties – oh Mann, ich nenne sie einfach bei ihrem richtigen Namen Margot. Gottie funktioniert für mich irgendwie nicht – Sandkastenfreund Thomas dreht. Als die beiden gerade anfingen, Gefühle füreinander zu entwickeln, wurden sie durch einen Umzug von Thomas‘ Familie auseinandergerissen. Jetzt, nach Jahren der Funkstille, kehrt er plötzlich mit seiner Mutter zurück und soll den Sommer bei Margot verbringen. Auch in Ordnung, schöne Geschichte mit viel Potenzial.

Dann ist da noch Jason, ein Kerl aus Neds Band, mit dem Margot mal etwas hatte, das aber nur für einen Sommer sein sollte. Oder? Jedenfalls schleichen die beiden nun umeinander, als wüssten sie nicht, wo vorne und wo hinten ist. Ja, kann man machen. Bringt ein bisschen Explosivität in die Margot-Thomas-Geschichte.

Doch dann fängt die Sache mit den Zeitreisen an.

Es gibt mehrere Möglichkeiten: Entweder ich bin zu dumm dafür, es zu verstehen (kann durchaus sein, ich bin auch nur ein Mädchen vom Dorf), ich hab nicht aufmerksam genug gelesen (das weise ich entschieden von mir) oder dieser Teil der Story ist wirklich sehr verwirrend. Bis zum Schluss wusste ich nichts mit diesen Flashbacks anzufangen, und ehrlich gesagt finde ich die Auflösung auch nicht sonderlich zufriedenstellend. Wenn Margot durch die Tagebuch-Einträge ihres Großvaters einfach in Erinnerungen geschwelgt und dabei die Zeit vergessen hätte, wäre das meiner Meinung nach viel authentischer gewesen als dieses … nun, sie nennt es Gottie-H.-Oppenheimer-Prinzip. Da wird dann noch Schrödingers Katze mit verwurstet, der Eventhorizont wird im Vorbeigehen erklärt, Einsteins Relativitätstheorie kommt zur Sprache und noch einige physikalische Gesetzmäßigkeiten werden heruntergeleiert. Wozu? Es tut mir fast körperlich weh, das zu schreiben, denn ich liebe Jugendbücher und ich liebe die Physik, aber bei diesem Buch wirkt es für mich geradezu zusammengewürfelt. Ja, die Autorin und das Lektorat haben ihre Hausaufgaben gemacht, das stimmt schon. Dennoch … ich konnte den Zeitreisen nichts abgewinnen. Obendrein haben sie so viel durcheinander gewirbelt, was gar nicht hätte angetastet werden müssen, um die Geschichte zu einem (zufriedenstellenden) Ende zu bringen.

Fazit

Habe ich erwähnt, dass ich Jugendbücher und Physik mag? Für mich fast schon ein Garant für ein gutes Buch. Hier ist die Kombination allerdings in die Hose gegangen, und das ist so schade! Die im Grunde echt gute Story hätte ebenso – und, wie ich finde, sogar noch viel intensiver – erzählt werden können, hätte man dieses Zeitparadox-Gedöns einfach weggelassen. Keine Wurmlöcher, Türen in Paralleluniversen, Fernsehrauschen und andere Personen, die doch die gleichen sind. Mich hat es durch die Grübelei und den Versuch, hinter das Geheimnis zu kommen, geradezu vom Geschehen abgelenkt.

Einschätzung

Wie hoch ist das Infektionsrisiko bei diesem Buch und welche Personen sind besonders gefährdet? Wir haben einige ausgewiesene Bookosa-Experten (Buchblogger & Booktuber) zum Gefahrenpotential von Ein bisschen wie Unendlichkeit befragt.

Risiko
Experten-Einschätzung & Rezensionen
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Infos

  • Biografie: Harriet Reuter Hapgood schrieb als Modejournalistin unter anderem für die ‚InStyle‘ und die ‚ MarieClaire‘. Die Autorin mit deutschen Wurzeln lebt und arbeitet in Brighton, England.
  • Bekannte Bücher des Autors: Ein bisschen wie Unendlichkeit (Debüt)
Weiterführende Informationen

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