Ela (Ela’s Leselounge)


Patientin: Ela (Ela’s Leselounge)
Erstdiagnose: Verdacht auf LESEN
Symptome: übermäßiger Konsum von Humor, Dystopie, Liebe/Romantik, Krimi/Thriller, Science-Fiction, Fantasy
Aktenvermerk: PATIENTIN DOKUMENTIERT SUCHTVERHALTEN

Coming-Out: Ich habe LESEN

Gedächtnisprotokoll der Behandlung:

Minutenlang sitzen sich Ela und Lady Bookosa schweigend gegenüber. Schließlich hält es die Patientin nicht länger aus und ergreift das Wort:

Ela - Elas Leselounge - LESEN

Ela: Ich habe LESEN

Lady Bookosa nickt zufrieden.

1. Nun ist es raus, wie fühlst du dich?

Auf jeden fall deutlich erleichtert.

2. Wann und wie hast du dich mit LESEN infiziert?

Ich habe schon als Kind gerne gelesen, oft sogar mit meiner Mama. Zwischendurch – also während der Endphase der Schule und insbesondere während der Ausbildung – hatte ich die sogenannte Leseflaute. Mit Beendigung meiner Ausbildung im letzten Jahr kam das Lesefieber wieder und seitdem gibt es kein Halten mehr.

3. Wie geht dein persönliches Umfeld mit deiner Krankheit um und wer muss am meisten unter ihr leiden?

Mein Umfeld geht sehr wohlwollend damit um, auch wenn sie es nicht immer ganz nachvollziehen können. Auch mein Freund geht mittlerweile sehr gelassen mit dem Thema um. Während er anfangs immer noch den Kopf geschüttelt und sich seinen Teil gedacht hat, nimmt er LESEN mittlerweile einfach nur noch zur Kenntnis und akzeptiert es als einen Teil von mir. Auch den mind. 1x pro Monat auftretenden Groß-Bücher-Kaufrausch akzeptiert er ohne zu murren.

4. Stehst du viel in Kontakt mit anderen Infizierten und nutzt Selbsthilfegruppen im Internet?

Ich habe Kontakt zu zwei bis drei Bloggerinnen, die ich selbst durchs bloggen kennengelernt habe. Mit denen tausche ich mich gerne aus oder starte Leserunden, da das gemeinsame Lesen von Büchern äußerst interessant ist und natürlich auch viel mehr Spaß macht. Ansonsten bewege ich mich viel auf Lovelybooks, Goodreads und Was liest du? und versuche vieles mitzumachen und mich in die Gemeinschaft einzugliedern.

5. Warst du schon auf den als Buchmessen getarnten Infiziertentreffen in Frankfurt und Leipzig und wie hat es dir dort gefallen?

Ich bin dieses Jahr zum ersten Mal in Leipzig gewesen. Ich habe mich wie im Paradies gefühlt. Überall waren Bücher und Verlage. Ich wollte eigentlich gar nicht mehr weg, aber mein Freund hatte dann doch noch ein Wörtchen mitzureden. Ich habe mir gleich, als ich wieder zu Hause war, vorgenommen jedes Jahr dort vorbeizuschauen. Frankfurt ist für mich auch sehr reizbar, da dies aber weiter von mir weg liegt, kann ich mich dort leider nicht jedes Jahr blicken lassen.

Lady Bookosa unterbricht die Sitzung und wirft einen Blick in ihre Kristallkugel. Bei der Betrachtung der Zukunft kann sie sich ein Lächeln nicht verkneifen…

6. In deinem nächsten Leben wirst du in einem Roman wiedergeboren. Irgendwelche Wünsche?

Also auf jeden Fall wäre ich gerne wieder eine Frau, aber bitte ohne irgendwelche nervigen Macken. Dystopien mag ich ja neuerdings sehr gerne, aber die gehen ja eigentlich immer schlecht aus. Ein Happy End wäre da schon schön. Dann darf es ruhig spannend und nervenaufreibend zugehen. Sterben muss dabei aber wegen mir niemand. Weitere Ansprüche stelle ich gerade keine :p

7. Wir schreiben das Jahr 2163, die Welt liegt in Schutt und Asche. Die Menschheit wird nach dem Arche-Noah-Prinzip evakuiert. Welche zwei Autoren sollten gerettet werden?

Letztens habe ich mit dem Buch „Vor uns die Nacht“ Bettina Belitz entdeckt und mich gefragt, warum ich die anderen Bücher verpasst habe. Auch hat mich Adriana Popescu mit ihrer „Lieblingsmomente-Reihe“ sehr begeistert, besonders der Schreibstil hat es mir angetan. Weil ich von den beiden gerne zukünftig noch mehr lesen möchte, würde ich diese zwei Damen auf jeden Fall retten.

8. Unglaublich, aber wahr, auch DU wirst evakuiert. Du hast in der Bevölkerungs-Tombola zwei Tickets für die Reise zum Mars gewonnen. Wen nimmst du mit und vor allem wer darf am Fenster sitzen?

Ich soll mich jetzt ernsthaft nur für eine Person entscheiden? Puh. Dann würde ich mich wohl für meinen Freund entscheiden. Er macht schließlich jede Schnapsidee von mir mit UND er trägt immer meine Bücher (wenn ich sie denn im Buchladen kaufe). Am Fenster sitzen darf er aber nicht! Das war schon immer mein Lieblingsplatz.

Aber das ist Zukunftsmusik. Lady Bookosa verdeckt die Kristallkugel und blickt die Patientin ernst an.

9. Wie müsste – Stand heute – der Titel deiner Biografie lauten und welcher Schauspieler wäre die Idealbesetzung für die Verfilmung des Buchs?

Wenn es erlaubt ist, würde ich gerne einen Titel aus der Sicht meines Freundes wählen: „Das Leben mit einer Buchverrückten“ (manchmal hat er es wirklich nicht leicht 😉 )
Ich glaube als Rolle wäre Jennifer Lawrence gut geeignet. Ich habe sie in „Die Tribute von Panem“ und „Silver Linings“ gesehen und ich glaube, sie kann einfach alles und jeden spielen.

10. Die Welt weiß nun, dass du LESEN hast. Was sollte sie sonst noch über dich wissen?

Wenn ich nicht gerade mit meiner Krankheit zu tun habe, mache ich gerne Sport (Step Aerobic und Zumba) und versuche meine sozialen Kontakte in Form von Familie und Freunden aufrecht zu erhalten. Sonst bin ich eigentlich ein sehr lebensfreudiger Mensch, lache gerne und viel und bin zu fast allen Schandtaten bereit. Ansonsten führe ich aber auch ein ganz normales Leben wie andere Menschen 😉

Lady Bookosa bedankt sich für das Gespräch und bittet die Patientin zur weiteren Behandlung in einen Nebenraum. Als Ela den Raum verlassen hat, schließt Lady Bookosa die Akte und donnert einen Stempel auf den Einband.

INFIZIERT – Heilung ausgeschlossen!