Eva-Maria (Schreibtrieb – der Buchblog) 2


Patientin: Eva-Maria Obermann (Schreibtrieb – der Buchblog)
Erstdiagnose: Verdacht auf LESEN
Symptome: übermäßiger Konsum von Romanen aller Art, vorzugsweise Fantasy und Gegenwartsliteratur
Aktenvermerk: PATIENTIN DOKUMENTIERT SUCHTVERHALTEN

Coming-out: Ich habe LESEN

Gedächtnisprotokoll der Behandlung:

Minutenlang sitzen sich Eva-Maria von „Schreibtrieb – der Buchblog“ und Lady Bookosa schweigend gegenüber. Schließlich hält es die Patientin nicht länger aus und ergreift das Wort:

Eva-Maria Obermann - LESEN

Eva-Maria – Schreibtrieb – Ich habe LESEN

Ich habe LESEN

Lady Bookosa nickt zufrieden.

1. Nun ist es raus, wie fühlst du dich?

Nicht sonderlich überrascht, aber leicht beunruhigt. Hat mein Mann etwa recht und ich lese zu viel? Gibt es das überhaupt? Meine Kinder habe ich bereits angesteckt und frage mich, ob das eher eine genetische Sache ist, weil mein Gatte so gar nicht infiziert erscheint. Im Grunde aber, sehe ich noch nicht, was so schlimm daran sein soll. Mir geht es doch gut, oder?

2. Wann und wie hast du dich mit LESEN infiziert?

Da komme ich gerne auf den genetischen Aspekt zurück. Früher habe ich die „Erwachsenenbücher“ meine Mutter heimlich gelesen und mich am riesigen Wohnzimmerbücherregal meiner Oma in Klassiker verliebt. Eichendorff, Shakespeare, 1001 Nacht und so viele mehr. So richtig schlimm wurde es, als ich meinen Buchblog gestartet habe und die ersten Leseaufgaben anstanden. Seitdem gibt es keinen Tag mehr ohne Buch. Wäre ja auch schrecklich, oder?

3. Wie geht dein persönliches Umfeld mit deiner Krankheit um und wer muss am meisten unter ihr leiden?

Als meine Tochter eins war, hat sie meine Bücher unter dem Sofa versteckt. So viel dazu. Wahrscheinlich „leiden“ meine Kinder am meisten. Erst das Kapitel, dann das Abendessen und Mama schaut ja auch nicht so genau hin, wenn sie die Nase in einem Buch hat. Dann können sie ungestört entdecken, spielen und selber lesen. Ob das so schlimm ist, zweifle ich aber stark an. Immerhin gehe ich doch mit gutem Beispiel voraus und akzeptiere die Diagnose. Mein Mann meckert zwar immer, ich hätte zu viele Bücher (nein, das gibt es definitiv nicht), kauft dann aber einfach ein neues Regal. Und das ein oder andere konnte er in meinem Fundus aus schon für sich entdecken. Leider habe ich aber auch Menschen in meiner Familie, die mit Büchern so gar nichts anfangen können.

4. Stehst du viel in Kontakt mit anderen Infizierten und nutzt Selbsthilfegruppen im Internet?

Ich promoviere in der Literaturwissenschaft zur Mutterfigur in der Gegenwartsliteratur und arbeite an der Uni. Das ist eine besondere, unheilbare Ausprägung der Krankheit, die immer wieder neu angefacht wird. Außerdem gibt es da meinen Blog und diverse Portale, bei denen ich mich mit anderen Infizierten quasi täglich austausche. Eine wichtige Anlaufstelle ist auch Twitter für mich geworden, bei denen ich so viele Gleichgesinnte kennengelernt habe. Da ich nicht nur an Lesen, sondern auch an Schreiben leide, bin ich seit neustem bei den #BartBroAuthors in einer tollen Gruppe gelandet.

5. Warst du schon auf den als Buchmessen getarnten Infiziertentreffen in Frankfurt und Leipzig und wie hat es dir dort gefallen?

Vor ein paar Jahren habe ich in Leipzig eine meiner Kurzgeschichten vorgelesen. Die letzten zwei Jahre war ich aber in Frankfurt, weil das wesentlich näher ist und leichter für mich zu erreichen. Darum konnte ich dieses Jahr sogar zwei Tage dabei sein und als Fachbesucher nicht nur den Ansturm am Wochenende erleben, sondern auch die tolle Atmosphäre unter der Woche und die großen Treffen mit Bloggern und Autoren.

Lady Bookosa unterbricht die Sitzung und wirft einen Blick in ihre Kristallkugel. Bei der Betrachtung der Zukunft kann sie sich ein Lächeln nicht verkneifen…

6. In deinem nächsten Leben wirst du in einem Roman wiedergeboren. Irgendwelche Wünsche?

Ehem. Ehrlich? Ich lese ja gerne von fantastischen Abenteuern mit viel Spannung und Entwicklung bei den Protagonisten. Aber in meinem eigenen Leben genieße ich es auch, angekommen zu sein, Mann und Kinder zu haben und die schlichte Zufriedenheit zu spüren. Ein Abenteuer erleben, wäre bestimmt toll, aber nur, wenn ich wieder „nach Hause“ zurückkann.

7. Wir schreiben das Jahr 2163, die Welt liegt in Schutt und Asche. Die Menschheit wird nach dem Arche-Noah-Prinzip evakuiert. Welche zwei Autoren sollten gerettet werden?

2163? Dann dürften alle, die heute schreiben ohnehin bereits unter der Erde liegen, wie leider andere großartige Autoren, es schon heute tun. Wenn es aber um die Werke geht, sollte die Welt niemals auf Terry Pratchetts Scheibenweltromane verzichten müssen oder auf Juli Zehs großartige Gesellschaftsdarstellungen. Andererseits hat mein Sohn zuletzt gemeint, er könne ja in die Fußstapfen seiner Mutter treten und später mal Bücher schreiben 😉

8. Unglaublich, aber wahr, auch DU wirst evakuiert. Du hast in der Bevölkerungs-Tombola zwei Tickets für die Reise zum Mars gewonnen. Wen nimmst du mit und vor allem wer darf am Fenster sitzen?

Ich lebe 2163 noch? Dann bin ich bestimmt uralt. Ich schenke die Tickets meinen drei Kindern. Zwei davon sind noch so klein, die gehen als einer durch. (Ja, 2163 wahrscheinlich nicht mehr, aber wenn wir schon dabei sind). Im Notfall muss der Knopf bei der Nudel auf die Schultern und sie bekommen einen Mantel umgehängt. Am Fenster sitzen darf aber der Große, der liest heute schon so viele Bücher über das Weltall und Raumfahrt, der hat sich das verdient.

Aber das ist Zukunftsmusik. Lady Bookosa verdeckt die Kristallkugel und blickt die Patientin ernst an.

9. Wie müsste – Stand heute – der Titel deiner Biografie lauten und welcher Schauspieler wäre die Idealbesetzung für die Verfilmung des Buchs?

Hmmmm. Schwere Frage. Mit Schauspielern hab ich es nicht so. Als Titel könnte ich mir ganz unkreativ „Mutterfiguren“ gut vorstellen. Ich beschäftige mich damit wissenschaftlich und lese bzw. entdecke in so vielen Büchern immer wieder welche, dass mich das Thema nicht loslässt. Außerdem bin ich selber dreifache Mutter und erlebe selbst das Zusammenspiel von Karriere, Frausein und Mutterschaft. Da könnte ich mir ein gutes Buch vorstellen, dass gleichzeitig gesellschaftskritische Züge annimmt und für Gleichberechtigung einsteht. Ja, in mir tobt eine kleine Feministin.

10. Die Welt weiß nun, dass du LESEN hast. Was sollte sie sonst noch über dich wissen?

Ich hatte es schon erwähnt, ich leide auch an Schreiben. Ebenso umfassend wie Lesen ist es eine chronische Sache, die bald schon regelrecht öffentlich wird. im Februar 2017 erscheint mein erster fantastsicher Roman „Zeitlose – Simeons Rückkehr“.

Lady Bookosa bedankt sich für das Gespräch und bittet die Patientin zur weiteren Behandlung in einen Nebenraum. Als diese den Raum verlassen hat, schließt Lady Bookosa die Akte und donnert einen Stempel auf den Einband.

#leseinfiziert – Heilung ausgeschlossen!

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2 Gedanken zu “Eva-Maria (Schreibtrieb – der Buchblog)

  • Kati

    Hallo Ihr Lieben Infizierten,

    Es ist doch immer wieder unterhaltsam, sich durch die neu-infizierten zu lesen 😉 Der Virus ist eindeutig unaufhaltsam und langsam glaube ich die Selbsthilfegruppen sind eher Überträger des Krankheitserregers 😉 Verbreitungsgruppen also!

    Terry Pratchetts Scheibenweltromane müssen allerdings für die Nachwelt gerettet werden – eine ganz exzellente Wahl!

    Viele liebe Grüße & einen schönen Adventssonntag
    Kati

    • Mimo Autor des Beitrags

      Eine sehr gewagte These. Wir werden die mal an die Forschungsabteilung weiterleiten. 🙂
      Dir auch einen schönen Adventssonntag, liebe, leseinfizierte Kati.

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