Ich gebe dir die Sonne | Jandy Nelson


Leseviren in Ich gebe dir die Sonne von Jandy Nelson entdeckt. Das Buch kann LESEN verursachen oder eine bestehende Influenza Bookosa verschlimmern!

Ich gebe dir die Sonne - Jandy Nelson

Titel: Ich gebe dir die Sonne | Autor: Jandy Nelson | Veröffentlichung: November 2016 | Verlag: cbtÜbersetzung: Catrin Fischer | Bücherregal: Jugendbuch | Stichwörter: Verlust, Veränderung, Zwillinge, Liebe, Kunst

Inhalt
Am Anfang sind Jude und ihr Zwillingsbruder Noah unzertrennlich. Noah malt ununterbrochen und verliebt sich Hals über Kopf in den neuen, faszinierenden Jungen von nebenan, während Draufgängerin Jude knallroten Lippenstift entdeckt, in ihrer Freizeit Kopfsprünge von den Klippen macht und für zwei redet. Ein paar Jahre später sprechen die Zwillinge kaum ein Wort miteinander. Etwas ist passiert, das die beiden auf unterschiedliche Art verändert und ihre Welt zerstört hat. Doch dann trifft Jude einen wilden, unwiderstehlichen Jungen und einen geheimnisvollen, charismatischen Künstler … (Quelle: Verlag)

Meinung

Ich versuche, das hier so weit wie möglich spoilerfrei zu halten, aber ganz wird mir das nicht gelingen. Eins vorweg: Es hat lang gedauert, bis ich mir eine endgültige Meinung über das Buch bilden konnte, und das Resultat lautet „Besonders“. Nicht besonders schlecht oder gut, einfach besonders. Die Geschichte gibt wirklich viel her, mehrere Handlungsstränge sind über Jahre hinweg miteinander verwoben, lösen sich meiner Meinung nach aber leider zu schnell – da teils vorhersehbar – auf. Erzählt wird in zwei Zeitebenen und aus zwei Perspektiven. Noah und seine Zwillingsschwester Jude kommen abwechselnd zu Wort, Noah im Alter von 13 Jahren, Jude mit 16. Dieser Wechsel ist der Autorin hervorragend gelungen, ich hatte nie das Gefühl, aus den Augen zu verlieren, wer gerade „spricht“. Auch die Zeitpunkte der Erzählungen sind gut gewählt, immerhin beschreiben sie jeweils wichtige Ereignisse im Leben der Kinder, Veränderungen, die mit ihnen vorgegangen sind. Vor allem Judes Entwicklungssprünge und Beweggründe sind sehr facettenreich und nachvollziehbar beschrieben, mehr in der Art hätte ich mir von Noah – insbesondere nach dem für ihn sehr einschneidenden Etwas, das ich nicht spoilern will – gewünscht. Dafür hätte man an anderer Stelle manch ausführliche Beschreibung streichen und vor allem den Schluss um einige (viele) Seiten kürzen können. Der Leser weiß bereits, wo die Fäden zusammenlaufen, nun muss er dabei zusehen, wie Noah und Jude eine Zwiebelhaut nach der anderen mühsam wegpulen. Das hat mich angestrengt, die letzten Seiten habe ich deshalb größtenteils überflogen und nur an den schönen Stellen Halt gemacht.

Apropos schön: Die Sprache! Wow, oftmals war ich tatsächlich hin und weg, wie wahrhaft gestalterisch die Autorin schreibt. Da explodieren Formulierungen aus grellbunten Farbpaletten in deinem Kopf und feuern dir ein nicht enden wollendes Spektakel aus Bildern ins Hirn. Großartig – wenn man es in Maßen genießen kann. An einigen Punkten hat es mich genervt, an anderen konnte ich nur aufseufzen vor Entzücken. Ja, ich verstehe, dass das vor allem Noahs Hang zur Kunst stilistisch darstellen soll, und die Idee finde ich klasse. Aber er ist 13 Jahre alt. Dreizehn! Zum einen spricht er wie Picasso malt, zum anderen haut er seiner Mutter Worte wie „Gruppenwichsen“ um die Ohren. Da musste ich dann doch heftig blinzeln.

Zum Abschluss noch ein paar Beispiele schöner Formulierungen gefällig?
Noah: „Er hat eine Tasche für Meteoriten. Er trägt ein Stück der Galaxie in einem Beutel mit sich rum.“ ### „Wie kann Liebe nur so eine Abrissbirne sein?“ ### „Ihr Gesicht rutscht ihr vom Gesicht – heute kann keiner sein Gesicht anbehalten – und das darunter ist verzweifelt.“
Jude: „Oscar-der-Mädchen-Ausatmer“ ### „Niemand sagt einem, wie weg weg wirklich ist – oder wie lange es dauert.“

Fazit

Puh, ein Fazit. Ich bin immer noch sehr hin- und hergerissen, wie das denn nun ausformuliert lauten könnte. Ich mag das Buch, die Story ist großartig. An manchen Stellen fehlt mir die Begründung für Aktionen der Nebenfiguren, obwohl sich diese doch auf Noah und Jude auswirken. Ich würde mir mehr Hintergrundwissen über Oscar wünschen, dafür in anderen Momenten stark gekürzte Sequenzen. Ich würde mir mehr Noah danach und weniger davor wünschen, und dafür Jude etwas gestraffter. Andererseits geben beide Figuren viel her. Es ist wirklich, wirklich schwierig, mich auf ein Urteil festzulegen, deshalb kann ich nur jedem raten, sich selbst eins zu bilden. Wie war das gleich? Die ambivalenten Titel sind die, die hängen bleiben. Hier definitiv der Fall!

Einschätzung

Wie hoch ist das Infektionsrisiko bei diesem Buch und welche Personen sind besonders gefährdet? Wir haben einige ausgewiesene Bookosa-Experten (Buchblogger & Booktuber) zum Gefahrenpotential von Ich gebe dir die Sonne befragt.

Risiko
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