Jan (lost pages)


Patient: Jan (lost pages)
Erstdiagnose: Verdacht auf LESEN
Symptome: übermäßiger Konsum von Romanen aller Art, vorzugsweise Jugendbuch; Dystopie; Fantasy; Thriller
Aktenvermerk: PATIENT DOKUMENTIERT SUCHTVERHALTEN

Coming-out: Ich habe LESEN

Gedächtnisprotokoll der Behandlung:

Minutenlang sitzen sich Jan und Lady Bookosa schweigend gegenüber. Schließlich hält es der Patient nicht länger aus und ergreift das Wort:

Jan - lost pages - LESEN

Jan: Ich habe LESEN

Lady Bookosa nickt zufrieden.

1. Nun ist es raus, wie fühlst du dich?

Wie ich mich fühle? Erleichtert, glücklich, die Enge, die mich jahrelang in der Brust gequält hat, ist endlich verschwunden. Hätte ich das doch schon viel eher gemacht – aber besser spät, als nie! 😀

2. Wann und wie hast du dich mit LESEN infiziert?

Ui, das ist schon ein paar Jährchen her. Ich weiß noch, dass Stephen King mich mit seinen Friedhöfen und Kuscheltieren erheblich geschwächt hat, aber als mein Bruder dann irgendwann mit dem ersten Harry Potter nach Hause gekommen ist, hat sich das LESEN endgültig festgebissen. Da war ich ungefähr 13.

3. Wie geht dein persönliches Umfeld mit deiner Krankheit um und wer muss am meisten unter ihr leiden?

Leiden muss nur der Postbote, der mir meinen Stoff liefern muss. Ansonsten ist mein Umfeld eher positiv gestimmt, es gilt in meinen Kreise nämlich als selten, dass ein männliches Wesen sich mit LESEN ansteckt! 🙂

4. Stehst du viel in Kontakt mit anderen Infizierten und nutzt Selbsthilfegruppen im Internet?

Oh ja, ich stehe täglich in Kontakt mit weiteren Infizierten. Es hilft ungemein, wenn man sich mit Menschen austauschen kann, die die gleichen Probleme kennen. Ich besuche fast täglich Selbsthilfegruppen, wie Twitter oder Instagram. Geheilt wird man da aber Gott sei Dank nicht.

5. Warst du schon auf den als Buchmessen getarnten Infiziertentreffen in Frankfurt und Leipzig und wie hat es dir dort gefallen?

Und ob ich da war und ich LIEBE die heiligen Hallen, in denen sich alle infizierten aus Nah und Fern treffen, um sich weiter und heftiger anzustecken. Es tauchen auch immer mehr Varianten von LESEN auf. Mal kommt ein Genre hinzu, mal ein neuer Autor, da ist Abwechslung garantiert.

Lady Bookosa unterbricht die Sitzung und wirft einen Blick in ihre Kristallkugel. Bei der Betrachtung der Zukunft kann sie sich ein Lächeln nicht verkneifen…

6. In deinem nächsten Leben wirst du in einem Roman wiedergeboren. Irgendwelche Wünsche?

Rot wie das Meer. Ich mag die stürmische See und angsteinflößende Monster-Pferdchen.

7. Wir schreiben das Jahr 2163, die Welt liegt in Schutt und Asche. Die Menschheit wird nach dem Arche-Noah-Prinzip evakuiert. Welche zwei Autoren sollten gerettet werden?

Ursula Poznanski, weil sie mit dystopischen Szenarien vertraut ist und die Menschheit weiterhin mit genialen Geschichten versorgen kann und dann noch Maggie Stiefvater, damit auch die (Fantasy)Geschichten weiterhin in wunderbare Sprache gebettet wird.

8. Unglaublich, aber wahr, auch DU wirst evakuiert. Du hast in der Bevölkerungs-Tombola zwei Tickets für die Reise zum Mars gewonnen. Wen nimmst du mit und vor allem wer darf am Fenster sitzen?

Shanty, einfach weil, eben und darum und weil ich ohne sie gar nicht hier wäre und Becca, weil ich mit ihr viel lachen kann. Beide würden NIE ohne Bücher reisen, also habe ich noch mehr davon. Ach und der Fensterplatz gehört mir – immer! 😀

Aber das ist Zukunftsmusik. Lady Bookosa verdeckt die Kristallkugel und blickt den Patienten ernst an.

9. Wie müsste – Stand heute – der Titel deiner Biografie lauten und welcher Schauspieler wäre die Idealbesetzung für die Verfilmung des Buchs?

Schwierige Frage. Also irgendwas mit Büchern wäre bestimmt ganz passend. Vielleicht „Verloren zwischen den Seiten, aber glücklich gefangen“ oder „Aua, ich habe mich an der Buchseite geschnitten“?
Idealbesetzung wäre wohl Dylan O’Brien alias Stiles Stilinski aus Teen Wolf. Tollpatschig, schusselig, aber für seine Freunde ist er immer da! 😀

10. Die Welt weiß nun, dass du LESEN hast. Was sollte sie sonst noch über dich wissen?

Dass ich nicht versuchen werde, gegen LESEN anzukämpfen. Im Gegenteil, ich bin immer auf der Suche nach potenziellen Opfern, die ich anstecken kann. Die Welt wäre eine bessere, wenn LESEN übergreifen würden. Ach und ich mag Katzen und gute Musik. Gebt mir Katzen, gute Musik und Bücher und ich bin glücklich und vielleicht noch ein Schwimmbad, wo ich am Wochenende meine Runden drehen kann. 🙂

Lady Bookosa bedankt sich für das Gespräch und bittet den Patienten zur weiteren Behandlung in einen Nebenraum. Als dieser den Raum verlassen hat, schließt Lady Bookosa die Akte und donnert einen Stempel auf den Einband.

INFIZIERT – Heilung ausgeschlossen!

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