Juliana (Book Experiences) 3


Patientin: Juliana (Book Experiences)
Erstdiagnose: Verdacht auf LESEN
Symptome: übermäßiger Konsum von Romanen aller Art
Aktenvermerk: PATIENTIN DOKUMENTIERT SUCHTVERHALTEN

Coming-out: Ich habe LESEN

Gedächtnisprotokoll der Behandlung:

Minutenlang sitzen sich Juliana vom Blog „Book Experiences“ und Lady Bookosa schweigend gegenüber. Schließlich hält es die Patientin nicht länger aus und ergreift das Wort:

Juliana - Book Experiences - LESEN

Juliana – Book Experiences – Ich habe LESEN

Ich habe LESEN

Lady Bookosa nickt zufrieden.

1. Nun ist es raus, wie fühlst du dich?

Ausgesprochen gut, wenn nicht sogar glücklich. Insgeheim wusste ich es zwar schon immer, aber es ist trotzdem schön, es endlich offiziell zu machen und laut aussprechen zu dürfen.

2. Wann und wie hast du dich mit LESEN infiziert?

Meine Eltern waren bereits selbst mit dem unschätzbaren Wert von Literatur vertraut und sind eindeutig dafür verantwortlich, dass ich Bücher von Anfang an lieben gelernt habe. Das hatte zur Folge, dass mir bereits im frühen Kindesalter viel vorgelesen wurde. Märchen oder Klassiker wie Pippi Langstrumpf waren bei mir damals besonders angesagt. Und so zog es sich schließlich wie ein roter Faden bis heute durch. Ein Leben ohne Bücher ist für mich undenkbar!

3. Wie geht dein persönliches Umfeld mit deiner Krankheit um und wer muss am meisten unter ihr leiden?

Ich hoffe doch, dass keiner wirklich darunter leiden muss. Und wenn dann ist es wohl am ehesten mein Geldbeutel. Familie und Freunde kommen hingegen relativ gut damit klar. Beschwert hat sich noch keiner ernsthaft und besonders meine Mutter hat vollstes Verständnis, da sie nicht selten unter ähnlichen Symptomen leidet.

4. Stehst du viel in Kontakt mit anderen Infizierten und nutzt Selbsthilfegruppen im Internet?

Im Grunde geht es gar nicht mehr ohne den Kontakt zu anderen Infizierten. Nur so habe ich die Möglichkeit, mich umfassend auszutauschen. Es hilft mir besser damit umzugehen und LESEN vollständig auszuleben. Hierzu gehört aber auch sich hin und wieder Rückfälle einzugestehen.

5. Warst du schon auf den als Buchmessen getarnten Infiziertentreffen in Frankfurt und Leipzig und wie hat es dir dort gefallen?

Bisher war ich erst einmal in Frankfurt und leider nur einen einzigen Tag. Von daher konnte man das natürlich nicht ausgiebig genug zelebrieren. Das wird aber bestimmt zu einem anderen Zeitpunkt nachgeholt.

Lady Bookosa unterbricht die Sitzung und wirft einen Blick in ihre Kristallkugel. Bei der Betrachtung der Zukunft kann sie sich ein Lächeln nicht verkneifen…

6. In deinem nächsten Leben wirst du in einem Roman wiedergeboren. Irgendwelche Wünsche?

Keine bestimmten Wünsche. Hauptsache es wird nicht langweilig.

7. Wir schreiben das Jahr 2163, die Welt liegt in Schutt und Asche. Die Menschheit wird nach dem Arche-Noah-Prinzip evakuiert. Welche zwei Autoren sollten gerettet werden?

Thomas Glavinic und Joachim Meyerhoff. Ihre Selbstironie, der zwischendurch aufblitzende Sarkasmus, die gnadenlose Ehrlichkeit wären im wahrsten Sinne des Wortes überlebensnotwendig.

8. Unglaublich, aber wahr, auch DU wirst evakuiert. Du hast in der Bevölkerungs-Tombola zwei Tickets für die Reise zum Mars gewonnen. Wen nimmst du mit und vor allem wer darf am Fenster sitzen?

Evakuierung schön und gut, aber zwei Tickets sind viel zu wenig. Da müsste ich mir definitiv etwas einfallen lassen. Ohne Familie, meinen Freund und die besten Freundinnen wäre ein Leben auf dem Mars undenkbar. Und für den Familienhund müsste es selbstverständlich auch ein kleines Plätzchen geben.

Aber das ist Zukunftsmusik. Lady Bookosa verdeckt die Kristallkugel und blickt die Patientin ernst an.

9. Wie müsste – Stand heute – der Titel deiner Biografie lauten und welcher Schauspieler wäre die Idealbesetzung für die Verfilmung des Buchs?

Der Titel „Viele Wege führen in die Literaturbranche“ wäre vielleicht gar nicht mal so unpassend. Über eine Ausbildung zur Buchhändlerin habe ich vor Jahren komischerweise noch so gar nicht nachgedacht. Umso glücklicher bin ich, dass ich nach verschiedenen anderen Zwischenstationen nun doch auf der richtigen Spur bin. Für die Hauptrolle des Films kämen mir entweder Natalie Portman oder Anne Hathaway in den Sinn.

10. Die Welt weiß nun, dass du LESEN hast. Was sollte sie sonst noch über dich wissen?

Ich verlasse das Haus grundsätzlich nicht ohne Buch in der Tasche. Das Risiko ist mir einfach zu hoch. Schließlich könnte sich irgendwie irgendwo irgendwann eine kurze Zeitspanne ergeben, die ich zum Lesen nutzen kann. Ich lese immer und überall. Da kann es schon mal vorkommen, dass ich mein Fahrrad nach Hause schiebe, weil ich die Finger nicht von einem Buch lassen kann und während dem Laufen unbedingt weiterlesen muss.

Lady Bookosa bedankt sich für das Gespräch und bittet die Patientin zur weiteren Behandlung in einen Nebenraum. Als diese den Raum verlassen hat, schließt Lady Bookosa die Akte und donnert einen Stempel auf den Einband.

#leseinfiziert – Heilung ausgeschlossen!

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3 Gedanken zu “Juliana (Book Experiences)

  • Kati @Zeit zu Lesen

    Das Bild sieht richtig leidend aus … so leseinfiziert 😉 hach, es ist wirklich eine Krankheit, die man gerne hat!! Außerdem müssen wir Infizierten zusammenhalten – und ein Buch in der Tasche zu haben ist das NORMALSTE von der Welt 🙂 Das man durch Pipi Langstrumpf zum Lesen kommt, kann ich mehr als nachvollziehen .. nochheute summe ich gerne „ich male die Welt, so wie sie mir gefällt“ 🙂
    Ein schöner Patientenbericht, wie Tati auch schreibt!

    Liebe Grüße
    Kati

    • Juliana

      Eben. Wie kann man Pippi Langstrumpf nicht mögen?! Das geht gar nicht 🙂
      Und LESEN ist wohl tatsächlich die einzige Krankheit unter der ich wahnsinnig gerne leide! 🙂

      Viele liebe Grüße
      Juliana

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