Maike (Kunterbunte Flaschenpost)


Patientin: Maike alias Madame Lustig (Kunterbunte Flaschenpost)
Erstdiagnose: Verdacht auf LESEN
Symptome: übermäßiger Konsum von Romanen aller Art, vorzugsweise Jugendbücher, Young Adult, New Adult und All-Age
Aktenvermerk: PATIENTIN DOKUMENTIERT SUCHTVERHALTEN

Coming-out: Ich habe LESEN

Gedächtnisprotokoll der Behandlung:

Minutenlang sitzen sich Maike von „Kunterbunte Flaschenpost“ und Lady Bookosa schweigend gegenüber. Schließlich hält es die Patientin nicht länger aus und ergreift das Wort:

Maike - Coming Out - Ich habe LESEN

Maike/Madame Lustig – Kunterbunte Flaschenpost – Ich habe LESEN

Ich habe LESEN

Lady Bookosa nickt zufrieden.

1. Nun ist es raus, wie fühlst du dich?

Erleichtert. Ich habe ja schon länger geahnt, dass irgendwas im Busch ist, aber aus Angst vor der Wahrheit habe ich mich nicht getraut, mich damit näher auseinanderzusetzen. Aber jetzt, wo es raus ist, fühle ich mich, als wenn ein riesiger Felsbrocken von mir genommen wurde und ich muss gestehen: die Wahrheit tut weniger weh als gedacht.

2. Wann und wie hast du dich mit LESEN infiziert?

Erste Anzeichen für Lesen gab es eigentlich schon recht früh (ich glaube, damals war ich 4 oder 5 und als Nachzüglerkind habe ich mich gerne mit einem Buch auf mein Bett verkrümelt und mich unsichtbar gemacht), allerdings wurden diese weitestgehend ignoriert und irgendwann hatte mich die Schule und die Pubertät auch so weit im Griff, dass ich kaum Zeit hatte, mich mit meinem Problem zu befassen.

3. Wie geht dein persönliches Umfeld mit deiner Krankheit um und wer muss am meisten unter ihr leiden?

Meinem Umfeld wäre es lieber, wenn ich kein Lesen hätte. Sie tolerieren zwar, dass ich immer einen gewissen Lesepegel erreichen muss, um mein Wohlbefinden aufrecht zu erhalten, aber weiter wollen sie nichts davon wissen. Es interessiert sie nicht, ob und warum mir nach ein paar Lesestunden besser geht, auch, wenn ich meinen Mann immer wieder versuche, dafür zu begeistern. Mein 2-jähriger Sohn ist da zum Glück lockerer, schnappt sich lieber selbst ein Buch und spielt krank. Ob Lesen ansteckend ist?

4. Stehst du viel in Kontakt mit anderen Infizierten und nutzt Selbsthilfegruppen im Internet?

Außerhalb des Internets leider nicht. Kaum zu glauben, aber bis auf meine Schwägerin, die hunderte Kilometer entfernt wohnt, kenne ich in meinem Umfeld niemanden, der gerne etwas anderes als Whatsapp-Nachrichten liest. Aber zum Glück gibt es ja noch die Buchverrückten im Internet. Ohne sie hätte ich mich wohl schon längst sehr verloren und verunsichert gefühlt. Dank ihnen habe ich aber inzwischen gelernt, dass ich zu meinem Problem stehen und als Teil von mir akzeptieren muss.

5. Warst du schon auf den als Buchmessen getarnten Infiziertentreffen in Frankfurt und Leipzig und wie hat es dir dort gefallen?

Leider nein. Arbeit, Familie, Krankheit – irgendwas kam mir einfach immer dazwischen, sodass ich mir das Spektakel bislang nur aus der Entfernung anschauen konnte. Ich hoffe jedoch, dass ich es dieses Jahr nach Frankfurt oder nächstes Jahr nach Leipzig schaffe und die Messe dann mit mir infizieren kann.

Lady Bookosa unterbricht die Sitzung und wirft einen Blick in ihre Kristallkugel. Bei der Betrachtung der Zukunft kann sie sich ein Lächeln nicht verkneifen…

6. In deinem nächsten Leben wirst du in einem Roman wiedergeboren. Irgendwelche Wünsche?

Ich stehe auf Romantik, Sarkasmus, Witz und gegen ein bisschen Kitsch habe ich auch nichts einzuwenden. Mein Roman-Leben darf also gerne eine Mischung aus Colleen Hoover Büchern, Jeaniene Frosts Cat & Bones, Brittainy C. Cherrys „Wie die Luft zum atmen“ und hm, Kerstin Giers Edelsteintrilogie sein. Ja, das wäre definitiv eine tolle Mischung und ich würde mich ausgezeichnet in dem Roman machen.

7. Wir schreiben das Jahr 2163, die Welt liegt in Schutt und Asche. Die Menschheit wird nach dem Arche-Noah-Prinzip evakuiert. Welche zwei Autoren sollten gerettet werden?

Ganz klar J.K. Rowling. Es ist bislang keinem anderen Autor gelungen, mich auf so eine magische Weise zu begeistern wie sie. Als zweites sollte unbedingt Colleen Hoover gerettet werden, weil neben der Magie auch die ganz großen Gefühle in der neuen Welt auf gar keinen Fall fehlen dürfen!

8. Unglaublich, aber wahr, auch DU wirst evakuiert. Du hast in der Bevölkerungs-Tombola zwei Tickets für die Reise zum Mars gewonnen. Wen nimmst du mit und vor allem wer darf am Fenster sitzen?

Oh, die Frage ist schwer zu beantworten. Natürlich sitze ich am Fenster, aber ich muss auch alle 5 Minuten aufs Klo, weswegen ich den Gangplatz eigentlich auch für mich beanspruchen müsste. Ich brauche also einen Begleiter, den ich nach Lust und Laune hin und her schieben kann, oder aber ich futtere mir vorsorglich schon mal weitere 100 kg an, damit ich gar nicht erst vor die Wahl gestellt werde, weil ich aus Umfangsgründen direkt beide Plätze gleichzeitig besetzen muss.

Aber das ist Zukunftsmusik. Lady Bookosa verdeckt die Kristallkugel und blickt die Patientin ernst an.

9. Wie müsste – Stand heute – der Titel deiner Biografie lauten und welcher Schauspieler wäre die Idealbesetzung für die Verfilmung des Buchs?

„3x stolpern ist noch nicht genug“ wäre der perfekte Titel und ich glaube, Anne Hathaway wäre goldrichtig, um mein Leben auf die Leinwand zu bringen. In der Vergangenheit hat sie zumindest bewiesen, dass sie sowohl komisch, als auch peinlich und dramatisch kann.

10. Die Welt weiß nun, dass du LESEN hast. Was sollte sie sonst noch über dich wissen?

Vielleicht, dass ich zu oft zu viel nachdenke, rede, wie mir der Schnabel gewachsen ist und Grammatik überhaupt nicht mein Ding ist.

Lady Bookosa bedankt sich für das Gespräch und bittet die Patientin zur weiteren Behandlung in einen Nebenraum. Als diese den Raum verlassen hat, schließt Lady Bookosa die Akte und donnert einen Stempel auf den Einband.

#leseinfiziert – Heilung ausgeschlossen!

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