Martin (Buchwellenreiter) 2


Patient: Martin (Buchwellenreiter)
Erstdiagnose: Verdacht auf LESEN
Symptome: übermäßiger Konsum von Romanen aller Art, vorzugsweise Krimi, Thriller, Jugendbuch
Aktenvermerk: PATIENT DOKUMENTIERT SUCHTVERHALTEN

Coming-out: Ich habe LESEN

Gedächtnisprotokoll der Behandlung:

Minutenlang sitzen sich Martin und Lady Bookosa schweigend gegenüber. Schließlich hält es der Patient nicht länger aus und ergreift das Wort:

Martin - Buchwellenreiter - Lesen

Martin (Buchwellenreiter): Ich habe LESEN

Lady Bookosa nickt zufrieden.

1. Nun ist es raus, wie fühlst du dich?

Sehr erleichtert. Ich hätte gar nicht gedacht, wie sehr mir gerade DIESE SACHE auf der Seele brennt. Aber jetzt, wo es ausgesprochen ist, geht es mir schon ein Stück besser. Jedoch ist Heilung nicht in Sicht! Was das betrifft, bin ich wenig optimistisch.

2. Wann und wie hast du dich mit LESEN infiziert?

Mit LESEN komme ich schon mein ganzes Leben in Berührung. Als mein Bruder (heute 22) und ich (heute 26) noch sehr klein waren, haben unsere Großeltern uns abends immer noch lange vorgelesen. Wir sind dabei nicht eingeschlafen, aber wir haben dieses Ritual geliebt. Als ich dann in die Schule ging, gab mein Opa mir abends die Bücher und sagte „So… nun liest du mir was vor“. Irgendwann habe ich dann nicht mehr vorgelesen, sondern mich selbst für Bücher interessiert. Die Gruselgeschichten von R.L Stine („Gänsehaut“) fand ich damals total cool. Und natürlich Harry Potter. Welches Kind hat den nicht geliebt? Cornelia Funke war auch toll. Besonders ihre Tintenwelttrilogie. Ich hab aber auch gern Märchen gelesen. Heute lese ich am meisten Fitzek, Strobel, Poznanski, Thiesler,… Thriller eben. Und ich liebe die Bücher von Elizabeth George und Elisabeth Herrmann. Aber die Aufzählung ist natürlich längst nicht abschließend. Da könnte ich noch stundenlang weitermachen.

3. Wie geht dein persönliches Umfeld mit deiner Krankheit um und wer muss am meisten unter ihr leiden?

Die wissen, dass ich ständig von Büchern, meinem Blog, Bloggertreffen und Messen erzähle. Sehr im Thema sind sie nicht unbedingt. Sie lesen schon auch Bücher. Aber danach klappen sie die zu, suchen ein Neues aus dem Regal und lesen weiter. Aber darüber mit Anderen reden, sich treffen usw. das machen sie nicht. Und wenn ich sage, dass ich mal wieder quer durch Deutschland fahre, um andere Blogger zu treffen, dann belächeln sie das schon gern mal.

4. Stehst du viel in Kontakt mit anderen Infizierten und nutzt Selbsthilfegruppen im Internet?

Im Internet bin ich gar nicht in so vielen Gruppen aktiv. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich erst im Juli 2015 mit dem Bloggen angefangen habe. Dadurch habe ich diese „Selbsthilfegruppen“ erst da kennengelernt. Aber einpaar sind es schon. Und dort macht es auch richtig Spaß. Ansonsten besuche ich täglich andere Blogs und schaue mir an, was die Blogger/innen dort über ihre „Krankheit“ zu berichten haben.
Real trifft man sich in solchen Gruppen ja auch manchmal. Der Stuttgarter Bücher- und Blubberstammtisch, den die liebe Anka (Ankas Geblubber) ins Leben gerufen hat, bietet da eine tolle Möglichkeit, Hilfe von anderen Infizierten zu bekommen. Allerdings verstärken sich die Symptome durch solche Therapiesitzungen nur noch mehr, weil die Krankheit eben oft hochansteckend ist.

5. Warst du schon auf den als Buchmessen getarnten Infiziertentreffen in Frankfurt und Leipzig und wie hat es dir dort gefallen?

Als Blogger war ich bisher letztes Jahr nur in Frankfurt. Freitag bis Sonntag. Aber in Leipzig 2016 war ich an allen Tagen dabei und habe mir die volle Messedröhnung gegeben. Es war wieder großartig, so viele Menschen zu treffen, so viele Ideen für den eigenen Blog zu bekommen, Fragen zu stellen, Antworten zu bekommen, Fotos zu machen und so weiter. Ich bin schon jetzt gespannt, wie es in Frankfurt in diesem Jahr wird. Darauf freue ich mich schon sehr!

Lady Bookosa unterbricht die Sitzung und wirft einen Blick in ihre Kristallkugel. Bei der Betrachtung der Zukunft kann sie sich ein Lächeln nicht verkneifen…

6. In deinem nächsten Leben wirst du in einem Roman wiedergeboren. Irgendwelche Wünsche?

In irgendeinem Teil von Harry Potter. Welcher, ist erst mal egal. Vielleicht gleich der erste. Da kannten sich alle noch nicht so gut und man kann sich noch besser integrieren. Das wäre schon cool.
Es gibt aber ganz viele Protagonisten, mit denen ich im wahren Leben mal gern einen Kaffee trinken gehen würde. Diese Leute mal kennenzulernen und sie zu fragen, wie es ihnen heute im Nachgang so geht, das würde ich sehr spannend finden. Aber spannend ist es auch, die Erfinder von ihnen zu treffen. Herrn Fitzek auf einer Lesung zu sehen und danach einpaar Worte mit ihm zu wechseln, ist zum Beispiel immer wieder ein Highlight.

7. Wir schreiben das Jahr 2163, die Welt liegt in Schutt und Asche. Die Menschheit wird nach dem Arche-Noah-Prinzip evakuiert. Welche zwei Autoren sollten gerettet werden?

Ich hoffe ja sehr, dass das mit dem Weltuntergang nicht ganz so schnell geht. Sonst muss ich ja Angst um meine Urenkel haben.
Sollte es dennoch so kommen und ich muss zwei Autoren retten, hätte ich ein Problem. Was mach ich mit Frau Thiesler, wenn ich Fitzek und Strobel mitnehme? Und was wird dann aus Elisabeth Herrmann? Oder Thomas Thiemeyer? Also das ist sehr fies.
Ich glaube, ich nehme offiziell Sebastian Fitzek mit. Dann nehmen wir noch Arno Strobel mit. Den Beiden sage ich aber, dass sie einen ganz großen Rucksack einpacken sollen. Und in diese Rucksäcke packen wir dann so viele andere Autoren rein, wie nur möglich und retten sie alle. Ist das ein Deal?

8. Unglaublich, aber wahr, auch DU wirst evakuiert. Du hast in der Bevölkerungs-Tombola zwei Tickets für die Reise zum Mars gewonnen. Wen nimmst du mit und vor allem wer darf am Fenster sitzen?

Da würde ich auf jeden Fall meinen besten Freund mitnehmen. Er muss nicht unbedingt am Fenster sitzen. Er ist groß genug und kann auch vom Mittelplatz sehr gut sehen. Er ist für mich, wie ein großer Bruder. Und ich für ihn, wie ein Kleiner. Bisher habe ich keinen großen und er keinen kleinen Bruder. So sammeln wir gegenseitig immer neue Erfahrungen. 🙂
Eine Frau müssen wir natürlich auch einpacken. Sonst bekomm ich sicher Probleme mit Alice Schwarzer, falls sie meinen Reisebericht auf dem Blog dann liest. Aber auch ohne die Frauenquote im Nacken würde ich noch eine gute Freundin mitnehmen, mit der ich immer tolle Gespräche führen kann, mit der es nie langweilig wird und die mit mir vor unserer Mars-Expedition auch viel Zeit auf den Buchmessen verbringen wird. Sie dürfte auch am Fenster sitzen.

Aber das ist Zukunftsmusik. Lady Bookosa verdeckt die Kristallkugel und blickt den Patienten ernst an.

9. Wie müsste – Stand heute – der Titel deiner Biografie lauten und welcher Schauspieler wäre die Idealbesetzung für die Verfilmung des Buchs?

So ähnlich hat man das Sebastian Fitzek bei seiner Lesung in Dresden im November gefragt. Er wusste ziemlich schnell eine Antwort darauf. Ich muss da schon etwas länger überlegen. So geht es mir bei dem Titel für Blogbeiträge auch oft. Der Text steht, aber der Titel fehlt. Aber zurück zur Frage…
„Life is going on – Es geht immer weiter!“
Es ist eigentlich egal, was passiert. Ich tu mich verdammt schwer damit, mich einfach in die Ecke zu setzen und aufzugeben. Auch wenn ich ab und zu sehr nachdenklich bin und nicht immer gleich weiß, welcher Weg der Beste ist, kann ich danach nicht einfach aufgeben und den Sand in den Kopf stecken! 🙂
Idealbesetzung? Schwierig. Ich bin kein Regisseur. Zum Glück. Also mach ich mir darüber gerade keinen Kopf. Das Drehbuch möchte ich aber selbst schreiben.

10. Die Welt weiß nun, dass du LESEN hast. Was sollte sie sonst noch über dich wissen?

Oh. Da kann man eine Menge erzählen. Ich träume zum Beispiel davon, bald mal eine längere Reise mit dem Rucksack zu machen. Einfach zuhause loslaufen (oder mit dem Rad los fahren) und an jeder Kreuzung spontan zu überlegen, in welche Richtung man fährt. Nach 3 Wochen oder auch mehr, steigt man dort, wo man dann ist, in den Zug/Flugzeug/… und tritt die Heimreise an. Ich bin gespannt, was ich dabei erlebe. Vielleicht schreibe ich dann täglich einen Beitrag auf meinem Blog. Mal sehen.

Lady Bookosa bedankt sich für das Gespräch und bittet den Patienten zur weiteren Behandlung in einen Nebenraum. Als dieser den Raum verlassen hat, schließt Lady Bookosa die Akte und donnert einen Stempel auf den Einband.

100% #leseinfiziert – Heilung ausgeschlossen!

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2 Gedanken zu “Martin (Buchwellenreiter)

  • Martin

    Hallo Ihr Lieben 🙂

    danke! Das war echt eine coole Idee, bei der ich sehr gern mitgemacht habe.

    So ein Coming Out hat irgendwie etwas Befreiendes. Wenn die Krankheit einmal ausgesprochen ist, geht es gleich viel besser. 🙂

    Viele Grüße
    Martin

    • Mimo Autor des Beitrags

      Schön, dass du dich getraut hast. Wir wünschen ausnahmsweise keine gute Besserung 😉

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