Rebecca (Book-A-Loo) 1


Patientin: Rebecca (Book-A-Loo)
Erstdiagnose: Verdacht auf LESEN
Symptome: übermäßiger Konsum von Romanen aller Art, aber vermehrt Jugendbücher, darunter am liebsten Dystopien, Dramen und (Psycho-)Thriller
Aktenvermerk: PATIENTIN DOKUMENTIERT SUCHTVERHALTEN

Coming-out: Ich habe LESEN

Gedächtnisprotokoll der Behandlung:

Minutenlang sitzen sich Rebecca und Lady Bookosa schweigend gegenüber. Schließlich hält es die Patientin nicht länger aus und ergreift das Wort:

Rebecca - Book-A-Loo - Lesen

Rebecca: Ich habe LESEN

Lady Bookosa nickt zufrieden.

1. Nun ist es raus, wie fühlst du dich?

Ich bin sehr glücklich und erleichtert darüber. Viele ahnten das ja schon lange, für manche kommt es sicher überraschend,… Manchmal bin ich selbst noch überrascht wie heftig LESEN sein kann.

2. Wann und wie hast du dich mit LESEN infiziert?

Ich kann mich nur ganz grob erinnern. Das ist alles so … verschwommen und nicht mehr so klar…. Aber ich denke, als ich noch ganz klein war und meine Mutter mir Bilderbücher gezeigt und mir vorgelesen hat. Da kam ich mit den ersten Erregern in Kontakt. Als ich dann in der Grundschule das Alphabet lernte und als wir den Ausflug in die Stadtbibliothek gemacht haben, war es dann um mich geschehen. Ich konnte nichts dagegen machen.

3. Wie geht dein persönliches Umfeld mit deiner Krankheit um und wer muss am meisten unter ihr leiden?

Bisher gab es nie wirklich Probleme. Alle haben sich sozusagen damit arrangiert. Und die Gesellschaft toleriert uns Infizierte ja auch. Klar, man wird schon hin und wieder schräg angesehen, wenn man den frischen Duft von Büchern inhaliert oder noch mehr LESEN will. Am meisten darunter leidet wahrscheinlich mein Freund. Manchmal bin ich nicht richtig bei der Sache, ich höre ihn nicht oder ich frage ihn, warum er nicht LESEN will. Das versteht er dann nicht. Es ist echt merkwürdig, wenn man mit jemanden zusammenlebt, der dagegen immun scheint.

4. Stehst du viel in Kontakt mit anderen Infizierten und nutzt Selbsthilfegruppen im Internet?

Dank des Internets habe ich Gleichgesinnte gefunden, die mir dabei helfen mit all diesen Gefühlen und Begleiterscheinungen klar zu kommen und sie als Teil meines Lebens fortan zu akzeptieren. Ich stehe viel in Kontakt mit anderen Infizierten und wüsste ehrlich nicht wohin mit so mancher Verzweiflung wegen LESEN. Mein privates Umfeld dagegen ist eher mit Gelegenheitslesern bespickt. Also ja und nein.

5. Warst du schon auf den als Buchmessen getarnten Infiziertentreffen in Frankfurt und Leipzig und wie hat es dir dort gefallen?

Leider war ich noch nicht auf so einem Treffen. Bisher hat es sich zeitlich noch nicht ergeben. Wenn man als Erwachsener LESEN hat, dann ist das manchmal echt schwierig. Aber es ist ein lang gehegter Traum. Und so viele Infizierte schwärmen davon, dass sie sich davor, dabei und danach blendend fühlen.

Lady Bookosa unterbricht die Sitzung und wirft einen Blick in ihre Kristallkugel. Bei der Betrachtung der Zukunft kann sie sich ein Lächeln nicht verkneifen…

6. In deinem nächsten Leben wirst du in einem Roman wiedergeboren. Irgendwelche Wünsche?

Hmmm, schwierige Frage. Aber eigentlich gibt es nur eine richtige Antwort. Ich möchte in den Harry Potter-Romanen wiedergeboren werden. Ich hab nach all den Jahren noch keine Reihe gefunden, die mich so gebannt und mitgerissen hat. Sowas würde ich nochmal gerne erleben. Und sei es als Romanfigur selbst.

7. Wir schreiben das Jahr 2163, die Welt liegt in Schutt und Asche. Die Menschheit wird nach dem Arche-Noah-Prinzip evakuiert. Welche zwei Autoren sollten gerettet werden?

John Green und Jennifer L. Armentrout. Die wirken so sympathisch und nicht auf den Kopf gefallen. Wenn die beiden dann auch noch zusammen Kinder kriegen könnten, wäre der Autoren-Fortbestand definitiv gesichert. Die süße Melancholie und Dramatik von John Green gepaart mit schrägen, aber sehr fantasievollen Geschichten von Jennifer L. Armentrout. Da würden so viele Genres abgedeckt werden. Hach.

8. Unglaublich, aber wahr, auch DU wirst evakuiert. Du hast in der Bevölkerungs-Tombola zwei Tickets für die Reise zum Mars gewonnen. Wen nimmst du mit und vor allem wer darf am Fenster sitzen?

Ich nehme meinen Freund mit. Ohne den geh ich nicht zu diesem komischen roten Planeten. Und am Fenster? Er darf da sitzen. Ich bin ein kleiner Hasenschiss was Höhe angeht. Vielleicht werfe ich mal einen kleinen Blick über seine Schulter, aber direkt am Fenster. Neee, lass mal….

Aber das ist Zukunftsmusik. Lady Bookosa verdeckt die Kristallkugel und blickt die Patientin ernst an.

9. Wie müsste – Stand heute – der Titel deiner Biografie lauten und welcher Schauspieler wäre die Idealbesetzung für die Verfilmung des Buchs?

„Do not triez the Dragon! – Das Verdenglischte Leben von Rebecca S.“ wäre der Titel meiner Biografie. Meine Wenigkeit darf gespielt werden von Jennifer Lawrence. Die ist so eine Art Kumpel-Typ. Die rülpst, stolpert über 20 Sachen die nicht da sind, hat aber auch ein Herz aus Gold. Wie ich. Muahaha. Männliche Hauptrolle (aka mein Freund) geht an Jesse Eisenberg. Der spielt immer so unscheinbare Kerle, die es aber faustdick hinter den Ohren haben und einfach richtig smart sind. Sowas braucht meine Biografie-Verfilmung!

10. Die Welt weiß nun, dass du LESEN hast. Was sollte sie sonst noch über dich wissen?

Ich bin eine Katzenliebhaberin. Ich hab das bis vor einigen Jahren wirklich nicht verstanden, was das mit dieser Verbindung und Liebe zu Haustieren ist und so. Aber seit ich meine zwei Kater Skype und Mumble (die heißen echt und absichtlich so…) habe, könnte ich mir kaum was Schöneres vorstellen, als dass die sich mit mir zusammen aufs Sofa fläzen und LESEN.

Lady Bookosa bedankt sich für das Gespräch und bittet die Patientin zur weiteren Behandlung in einen Nebenraum. Als diese den Raum verlassen hat, schließt Lady Bookosa die Akte und donnert einen Stempel auf den Einband.

INFIZIERT – Heilung ausgeschlossen!

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Ein Gedanke zu “Rebecca (Book-A-Loo)

  • Kati@ZeitZuLesen

    Hallo Becci!
    Was ein schöner, absolut sympathischer Beitrag und vor allem ein super cooles Bild! Also das Du ein Herz aus Gold hast, glaub ich sofort…und beim Stolpern mach ich mit.
    Auf das Lesen nie geheilt werden kann!

    Ois Liebe
    Kati

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