Runa | Vera Buck


Gefählicher Lesevirus in Runa von Vera Buck entdeckt. Das Buch kann LESEN verursachen oder eine bereits bestehende Influenza Bookosa verschlimmern!

Vera Buck - Runa

Titel: Runa
Autor: Vera Buck
Veröffentlichung: August 2015
Verlag: Limes (Hardcover)
ISBN: 978-3809026525
Weitere Ausgaben: eBook
Originaltitel/-verlag:
Übersetzung:
Bücherregal: Romane
Tags: Paris, Salpêtrière,1884, Experimente, Körperöffner

Erster Satz
Ich holte Luft, als wir uns aufstellten und ich nun selbst sah, was man sich vorhin, bei Umkleiden, nur hinter vorgehaltener Hand zu erzählen gewagt hatte.

Worum geht es?

Jori Hell ist begeisterter Anhänger des großen Charcot, dem ärztlichen Leiter der Salpêtrière-Klinik. Dieser ist vor allem für seine wöchentlichen Hypnosevorstellungen bekannt, die Besucher aus dem ganzen Land anlocken. So erhofft Jori sich eine erfolgreiche Promotion unter dem charismatischem Nervenarzt. Dann wird ein Mädchen in die Klinik eingewiesen, mit farblosem Haar und ungleichen Augen. Ein Mädchen, dass sich aller Therapieansätze widersetzt. Ein Mädchen, dass die Wahrheit kennt.

Meinung

Es gibt Bücher, die uns aus unterschiedlichen Gründen mehr oder minder gefallen. So oder so, das Gelesene hinterlässt Gefühle, die in der Regel irgendwie zu benennen sind. Bei „Runa“ verhielt es sich anders. „Runa“ hinterließ ambivalente Gefühle.

Vera Buck hat sich für ihr Debüt ins Paris des 19. Jahrhunderts gewagt. Eine Epoche, in der psychiatrische Erkrankungen mit Elektroschocks und Nahrungsentzug therapiert wurden, in der man davon überzeugt war, Wahnsinn einfach aus dem Gehirn herausschneiden zu können. Das medizinische Hintergrundwissen und die historischen Anlehnungen an reale Persönlichkeiten hatten Hand und Fuß. Hier hat die Autorin hervorragende Recherchearbeit geleistet. Der Schreibstil passt sich solide den sprachlichen Gegebenheiten des 19. Jahrhunderts an, sodass ich mich recht zügig genau dort befand.

Die komplexen Zusammenhänge der Geschichte um die mysteriöse Runa, werden aus Sicht verschiedener Charaktere geschildert. Perspektivwechsel können sich – wenn gut dosiert – temposteigernd auf die Geschichte auswirken. In diesem Fall trat leider der gegenteilige Effekt ein. Mehr noch: Wo Tempo aufkam, bremsten die Wechsel die Geschichte aus, schufen Längen und machten es mir unheimlich schwer, ein greifbares Gefühl zu den einzelnen Protagonisten zu entwickeln. Wusste ich gerade, in welchem Handlungsstrang ich mich befand, wurde gewechselt. Wurde ein Protagonist mir sympathisch, entwickelte sich ein Gefühl für diesen, wurde gewechselt. Kam Spannung auf, Nervenkitzel, Gänsehaut, wurde gewechselt. Das war mir einfach zu viel. Schade, verzichtet die Autorin doch größtenteils auf Stereotypen und besitzt durchaus ein Händchen für detaillierte Beschreibungen mit Gruseleffekt.

Mit dem Ende der Geschichte verhielt es sich wie mit dem Rest. Ich habe lange hin und her überlegt. Gefiel es mir? Gefiel es mir nicht? Letztendlich kam ich zu dem Schluss, dass dies vielleicht gar kein Ende ist, das gefallen will. Sondern eines, das passt.

Fazit

Gefühlt hätte Vera Bucks 600 Seiten starkes Debüt rigoros um die Hälfte gekürzt werden können. Längen und häufige Perspektivwechsel begünstigten dieses Gefühl. Für Medizin-Interessierte und Historien-Fans könnte diese gut recherchierte Geschichte jedoch eine Fundgrube sein. Für mich war sie dies leider nicht. Denn viel hilft ja bekanntlich nicht immer viel.

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Buchhandlung des Monats

Frohes LESEN. 🙂

Einschätzung

Wie hoch ist das Infektionsrisiko bei diesem Buch und welche Personen sind besonders gefährdet? Wir haben einige ausgewiesene Bookosa-Experten zum Gefahrenpotential von Runa befragt.

Risiko
Experten-Einschätzung
4 Denise: Die klinische Psychologie in den Kinderschuhen mit verherrenden Methoden. Lesen! [mehr]
5 Yvi: Toller historischer Roman mit spannenden Wendungen. Von Anfang bis zum Ende fesselnd und schlüssig. Gänsehaut pur! [mehr]
frei Hier könnte DEINE Rezension stehen!

Dies & das
  • Vera Buck studierte Journalistik in Hannover und Scriptwriting auf Hawaii
  • Die Autorin verfasste bereits früh Texte für Radio, Fernsehen und Zeitschriften und schrieb später Kurzgeschichten für Anthologien und Literaturzeitschriften
  • Nach Zwischenhalten an Universitäten in Frankreich, Italien und Spanien, lebt und schreibt Vera Buck heute in Zürich.
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