Sarah (Pinkfisch)


Patientin: Sarah (Pinkfisch)
Erstdiagnose: Verdacht auf LESEN
Symptome: übermäßiger Konsum von Romanen aller Art, vor allem Belletristik und Jugendbuch
Aktenvermerk: PATIENTIN DOKUMENTIERT SUCHTVERHALTEN

Coming-out: Ich habe LESEN

Gedächtnisprotokoll der Behandlung:

Minutenlang sitzen sich Sarah vom Blog „Pinkfisch“ und Lady Bookosa schweigend gegenüber. Schließlich hält es die Patientin nicht länger aus und ergreift das Wort:

Sarah - pinkfisch - LESEN

Sarah (Pinkfisch): Ich habe LESEN

Lady Bookosa nickt zufrieden.

1. Nun ist es raus, wie fühlst du dich?

Wie immer beim Arzt, wenn die Diagnose nur halb so schlimm ist, wie alles, was man nachts um 3 gegoogelt hat – erleichtert 😉

2. Wann und wie hast du dich mit LESEN infiziert?

Das begann früh – eines meiner ersten Bücher war ein Pixi indem ein kleiner Junge namens Pelle Semmeln holte. Seitdem habe ich mich kontinuierlich gesteigert was Seitenzahlen und Komplexität der Handlung angeht.

3. Wie geht dein persönliches Umfeld mit deiner Krankheit um und wer muss am meisten unter ihr leiden?

Am meisten sicherlich meine Familie. Wenn das Buch noch zuende gelesen werden muss. Wenn ich Lesezeit brauche. Aber gleichzeitig profitieren sie davon: mein Mann bekommt immer Bücher von mir geschenkt und mein Sohn liebt das Vorlesen.

4. Stehst du viel in Kontakt mit anderen Infizierten und nutzt Selbsthilfegruppen im Internet?

Jap. Ich bin soweit gegangen, eine lebenslange Konfrontationstherapie einzugehen und jeden Tag im Buchladen zu arbeiten.

5. Warst du schon auf den als Buchmessen getarnten Infiziertentreffen in Frankfurt und Leipzig und wie hat es dir dort gefallen?

Frankfurt ist für mich Heimspiel, dort bin ich seit über einem Jahrzehnt zu finden. In Leipzig bin ich dieses Jahr zum dritten Mal und freue mich darauf, vorallem wieder auf die Bloggerlounge.

Lady Bookosa unterbricht die Sitzung und wirft einen Blick in ihre Kristallkugel. Bei der Betrachtung der Zukunft kann sie sich ein Lächeln nicht verkneifen…

6. In deinem nächsten Leben wirst du in einem Roman wiedergeboren. Irgendwelche Wünsche?

Darf ich bitte, bitte in einen Haruki Murakami Text? Ich nehme auch eine Kurzgeschichte, Hauptsache ich lande bei ihm!

7. Wir schreiben das Jahr 2163, die Welt liegt in Schutt und Asche. Die Menschheit wird nach dem Arche-Noah-Prinzip evakuiert. Welche zwei Autoren sollten gerettet werden?

Das ist aber eine fiese Frage! Okay, Murakami ist gesetzt und als zweites nehme ich Elizabeth Gilbert. Nicht unbedingt, weil sie hochliterarisch schreibt, aber weil sie ein unheimliches Feuerwerk an Kreativität und Empathie ist, jemand, dem die Kunst in allen Facetten wichtig ist. Und solche Leute, mit Begeisterung und Freude, die werden wir dann brauchen.

8. Unglaublich, aber wahr, auch DU wirst evakuiert. Du hast in der Bevölkerungs-Tombola zwei Tickets für die Reise zum Mars gewonnen. Wen nimmst du mit und vor allem wer darf am Fenster sitzen?

Das Fenster überlasse ich gerne dem Mitreisenden. Zwei Tickets sind aber zu wenig. Ich hege die Hoffnung, dass mein Sci-Fi-erprobter Mann bis dahin noch eine zweite Arche gebaut hat und die ganze Familie mitdarf.

Aber das ist Zukunftsmusik. Lady Bookosa verdeckt die Kristallkugel und blickt die Patientin ernst an.

9. Wie müsste – Stand heute – der Titel deiner Biografie lauten und welcher Schauspieler wäre die Idealbesetzung für die Verfilmung des Buchs?

Och…wie wäre es mit „Ihre Welt war pink?“ und die Besetzung … ich nehme ‎Shailene Woodley.

10. Die Welt weiß nun, dass du LESEN hast. Was sollte sie sonst noch über dich wissen?

Zimtschnecken, Kartoffelsalat und Cola sind für mich Suchtmittel. An pinken Dingen komme ich schwer vorbei, ich suche meine Taschen danach aus, ob Bücher hineinpassen und besitze drei Füllfederhalter und jeder hat seine eigene Tintenfarbe. Ich horte Notizbücher und trinke morgens Tee, nachmittags Kaffee.

Lady Bookosa bedankt sich für das Gespräch und bittet die Patientin zur weiteren Behandlung in einen Nebenraum. Als diese den Raum verlassen hat, schließt Lady Bookosa die Akte und donnert einen Stempel auf den Einband.

#leseinfiziert – Heilung ausgeschlossen!

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