Suse (Literaturschock)


Patientin: Suse (Literaturschock)
Erstdiagnose: Verdacht auf LESEN
Symptome: übermäßiger Konsum von Romanen aller Art, vorzugsweise Gegenwartsliteratur, Phantastik, Thriller, Historisch
Aktenvermerk: PATIENTIN DOKUMENTIERT SUCHTVERHALTEN

Coming-out: Ich habe LESEN

Gedächtnisprotokoll der Behandlung:

Minutenlang sitzen sich Suse von „Literaturschock“ und Lady Bookosa schweigend gegenüber. Schließlich hält es die Patientin nicht länger aus und ergreift das Wort:

Suse Literaturschock Lesen

Suse – Literaturschock – Ich habe LESEN

Ich habe LESEN

Lady Bookosa nickt zufrieden.

1. Nun ist es raus, wie fühlst du dich?

Bedrückt. Ich habe das Gefühl, dass ich nie genug LESE. Mein Leben ist zu kurz für all‘ die ganzen Bücher. Einmal war ich kurz davor, mich von meinem SUB zu stürzen.

2. Wann und wie hast du dich mit LESEN infiziert?

Schon als Kind. Die feuerrote Friederike war wohl schuld. Vielleicht auch Pippi. Das kann ich nicht mehr so genau sagen.

3. Wie geht dein persönliches Umfeld mit deiner Krankheit um und wer muss am meisten unter ihr leiden?

Ganz unterschiedlich. Manche versuchen, mir zu helfen. Sie sagen: Du hast doch nun schon genug Bücher. Wollen mich davon abhalten, mir neue zu kaufen und starten Ablenkungsmanöver. Die schlimmsten sind aber diejenigen, die meine Sucht vorantreiben. Mir Bücher schenken oder mit mir über Flohmärkte und in Buchhandlungen schlendern. Das triggert mich und ich habe dann meine Sucht nicht im Griff. Verfalle in einen Buchrausch.

4. Stehst du viel in Kontakt mit anderen Infizierten und nutzt Selbsthilfegruppen im Internet?

Ich habe vor vielen Jahren sogar meine eigene Selbsthilfegruppe gegründet: Literaturschock.de
Es erleichtert den Umgang mit der Sucht, wenn man seine Erfahrungen mit anderen Betroffenen teilen kann.

5. Warst du schon auf den als Buchmessen getarnten Infiziertentreffen in Frankfurt und Leipzig und wie hat es dir dort gefallen?

Natürlich. Jedes Jahr. Die Erfahrung ist verstörend. Der Rausch während der Treffen ist großartig, doch danach falle ich in ein tiefes, schwarzes Loch. Lange Zeit nach den Treffen pflege ich einen Buchmesse-Blues, über den mir nur meine Selbsthilfegruppe hinweg helfen kann.

Lady Bookosa unterbricht die Sitzung und wirft einen Blick in ihre Kristallkugel. Bei der Betrachtung der Zukunft kann sie sich ein Lächeln nicht verkneifen…

6. In deinem nächsten Leben wirst du in einem Roman wiedergeboren. Irgendwelche Wünsche?

Thursday Next. Nein, warte. Orogontorogon… nein, der besser nicht. Elizabeth Bennet. Obwohl … vielleicht eher Bridget Jones (bessere medizinische Versorgung, aber trotzdem Mr. Darcy). Hm. Oder Stephanie Plum? Nein, ich weiß es jetzt: Nanny Ogg! Ja, definitiv. Ich möchte bitte gerne Nanny Ogg sein. Nur nicht in ein Buch von George R.R. Martin!

7. Wir schreiben das Jahr 2163, die Welt liegt in Schutt und Asche. Die Menschheit wird nach dem Arche-Noah-Prinzip evakuiert. Welche zwei Autoren sollten gerettet werden?

Tobias O. Meißner und Tobias O. Meißner (Terry Pratchett kann nicht mehr gerettet werden).

8. Unglaublich, aber wahr, auch DU wirst evakuiert. Du hast in der Bevölkerungs-Tombola zwei Tickets für die Reise zum Mars gewonnen. Wen nimmst du mit und vor allem wer darf am Fenster sitzen?

Am Fenster sitze ich. Punkt. Und mitnehmen werde ich Andy Weir, weil der sich offensichtlich mit dem Thema Mars gut auskennt.

Aber das ist Zukunftsmusik. Lady Bookosa verdeckt die Kristallkugel und blickt die Patientin ernst an.

9. Wie müsste – Stand heute – der Titel deiner Biografie lauten und welcher Schauspieler wäre die Idealbesetzung für die Verfilmung des Buchs?

„Die Frau, die so viele Bücher hatte, dass sie zeitlebens keinen Umzugshelfer fand.“
Kathy Bates, weil sie eine herrlich durchgeknallte Annie Wilkes war.

10. Die Welt weiß nun, dass du LESEN hast. Was sollte sie sonst noch über dich wissen?

Ich freue mich über vegane Keksspenden und schamlose E-Mails!

Lady Bookosa bedankt sich für das Gespräch und bittet die Patientin zur weiteren Behandlung in einen Nebenraum. Als diese den Raum verlassen hat, schließt Lady Bookosa die Akte und donnert einen Stempel auf den Einband.

#leseinfiziert – Heilung ausgeschlossen!

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